Tag 34 - Einladung folgt auf Einladung

Der Morgen beginnt wieder mit einem leckeren Frühstücksobstsalat. Eines von vielen Dingen, die mir in Deutschland fehlen werden. Im Büro wartete schon mein morgendlicher Teller Kekse und zwei
Flaschen Wasser, die Vorteile des Besuchers.

Kaum bin ich im Büro angekommen, ist der erste Kollege da und es folgt eine Einladung für den nächsten Samstag zum Lunch mit seiner Frau. Da frage ich nicht nach, sondern nehme begeistert an. Und als ob es des Guten noch nicht genug ist, folgt eine Stunde später die nächste Einladung. Eine Reise nach Ooty. Wir werden am 28. März direkt nach der Arbeit mit dem Auto losfahren. Die Reise dauert dann bis zum nächsten morgen und dann geht es mit der Nilgiri Mountain Railway, einer alten dampfbetriebenen Bergbahn, ab auf den "Gipfel". Die Bahnfahrt dauert bis zu fünf Stunden, bin mal gespannt ob das entspannend oder anspannend wird.

Ooty ist ein ganz anderes Klima und es gibt viele Teeplantagen. Das wird einmal ein ganz neuer Blick auf Indien und eine Erholung von den Temperaturen hier, die sich momentan um die 33 Grad Celsius bewegen Gefühlt wird es jeden Tag heisser und die Kollegen warnen mich schon vor Ende April, da werden wir jenseits der 40 Grad Celsius liegen. Denn dann beginnt der Sommer, na gut das ich Ende April wieder in das kalte Deutschland fliege und lausige 20 Grad Celsius mit Regenschauern genießen kann.

Bis bald,
Hermann


Tag 33 - Sauberkeit in Indien

Offen zugegeben war ich in der ersten Woche sehr geschockt über die Verschmutzung in der Stadt und den starken Widerspruch zum sonstigen permanenten Reinheitswunsch der Inder. Der Müll liegt einfach auf der Straße oder am Straßenrand oder auf freien Flächen stapeln sich die Müllberge.

 


Jeder Laden, jedes Haus wird penibel ausgefegt, aber halt nur bis vor die eigene Haustür. Wie kann das nur passieren, warum stört das niemanden, wo soll das enden? Das waren Fragen, die in meinem Kopf herumschwirrten. Als Europäer muss man sich aber von der Vorstellung lösen, dass alles perfekt organisert ist. Mittwochs die grüne Tonne, Freitags die graue Tonne und Montags die braune Tonne, diese Regelungen gibt es hier halt einfach nicht. Eine geregelte Müllabfuhr durch die Kommune, das kannste mal geschwind vergessen. Aber es tut sich etwas, überall sieht man Leute Müll wegräumen und zusammenkehren. Die Situation wird auch deutlich besser, wenn man die Städte verlässt und wenn ich mir unsere Autobahnauf- und abfahrten und Autobahnparkplätze ansehe, dann sieht es da oft schlimmer aus.

Grüße,
Hermann


Tag 32 - a day without Meetings

Den Tag nach dem Besuch im Fitness Raum wieder mit einem leckeren Fruchtsalat begonnen.



Mein erster Tag in Indien ohne eine Meeting, eine Online Konferenz, eine Telefonkonferenz oder Ähnliches mit Deutschland. Sorry Kollegen, aber was für ein Genuß.
Da habe ich den Tag genutzt, um mal ausführlichst mit den SharePoint Kollegen zu arbeiten und ununterbrochen Zeit zu haben. Da muss hier auch kein großer Besprechungssaal gebucht werden, da setzt man sich unkompliziert zu mehreren an einen Tisch oder einige Stehen und arbeitet munter drauf los.
Und zum Mittag gab es wieder Homemade Food von der Mutter eines Kollegen, da werde ich hier wirklich verwöhnt. Dabei mag ich das Essen aus der Kantine auch gerne und mit 40-80 Rupien (50-100 Cent) ist das auch sehr sehr günstig. Bin mal gespannt wie ich mich in Deutschland wieder an diese Unmengen von Fleisch pro Mahlzeit gewöhnen soll. Am Besten bleibe ich einfach bei der vegetarischen Ernährung, da wird meine Familie bestimmt begeistert sein.

Liebe Grüße,
Hermann


Tag 31 - Back in office

Nachdem ich jetzt wieder auf dem Campus bin, ist die Anzahl der Menschen, die mich begrüßen, sprunghaft gestiegen. Aus allen Ecken schallt ein freundliches "How are you" und mir wird eine Hand entgegengestreckt, ein wenig Small Talk und weiter geht es.
Der Verkehr in Chennai, inzwischen muss ich mich bemühen mit dem europäischem Auge darauf zu schauen. Hupen ist für mich ein alltägliches Geräusch geworden und wird unterbewußt wahrgenommen. Hier sind wirklich Unmengen von Kradfahrern unterwegs, Mopeds, Mofas, Roller. Der Anteil der Zweiradfahrer dürfte deutlich jenseits der 70% liegen. Vor allen Dingen zu den Stoßzeiten machen sich Herrschaaren von Kradlern auf den Weg zur Arbeit. Da wird rechts und links, über die Gegenseite oder den Fahrbahnrand überholt. Einmal Hupen und schwupps vorbei, ist jemand vor einem zu langsam wird gerne auch einmal zweimal gehupt.
Heute bin ich von einem Kollegen in seine Heimatstadt zur Hochzeit seines Freundes eingeladen worden. Da war ich mehr als überrascht und sagte, dass das ja wohl nicht ginge, ich kenne seinen Freund ja gar nicht. Alles kein Problem es ist eine große Ehre, wenn ich komme und er würde mir gerne seine Heimat zeigen. Es muss nur alles vorbereitet werden, denn ich könnte ja nicht in einem indischen Standardhaus schlafen. ???? Nein das ginge nicht, bekam ich lapidar auf meine Rückfrage gesagt. Da bin ich jetzt aber mal mehr als gespannt eine richtige ländliche indische Open Air Hochzeit. Was für eine Ehre für mich.

Bis bald,
Hermann

Tag 30 - Shopping in India


Heute waren wir noch reichlich platt von gestern und haben daher nur Kraft für ein wenig Shopping. Also ab in die Phoenix Shopping Mall mitten in Chennai.

Phoenix Mall

Phoenix Market City shopping mall is the largest in the city and one of the largest mall of the country and among one of the four Phoenix Market cities in India. The 2,400,000 sq ft big Phoenix Market City is located at Velachery and one of the super luxury mall in the state.

Und das ging gleich munter los direkt mit der Rolltreppe vom Parkbereich zum Erlebnisbereich und welcome to paradise. Nike, Reebok, Adidas und Puma mit eigenen Shops direkt nebeneinander. Rene hat sich direkt das neue Trikot der deutschen Nationalmannschaft gekauft.
andere Vereins suchten wir vergebens
Fünfzig Prozent günstiger als in Deutschland. Da habe ich mich mal gezwungen weiter zu gehen, Sportklamotten habe ich reichlich.

Dann kam die nächste Welle mit Läden/Shops und es war wirklich alles vertreten was Rang und Namen hat. Über Parfümerien, Klamottenläden, Uhren es gab nichts was nicht angeboten wurde. Für einen Sonntag war es gefühlt erstaunlich leer und leise.

für meinen kleinen Bruder Stefan
Das änderte sich als wir im fünften Stock den Essensbereich erreichten. Da war es so laut, dass wir gleich wieder geflüchtet sind. Dann lieber später essen. Aber der Blick war nett von da oben.



Blick aus dem fünften Stock







gibt es auch in Chennai



Auf dem Weg nach unten sind wir noch an einem Converse Shop vorbeigekommen und die Dinger werden hier echt verschleudert, Preise wie in den USA und nicht so völlig überteuert wie bei uns. Chucks für 15 Euro, das nenne ich mal nah am echten Wert.

Und dann haben wir auch unseren Tipp von den indischen Kollegen gefunden. Louis Philippe, die Klamottenmarke in Indien. Qualität hervorragend und Preise wie bei C&A, da habe ich mir dann eine Leinenhose und ein Oberhemd gegönnt. Da Rene auch zwei Hemden gekauft hat, bin ich ab sofort Goldmember im Louis Philippe Shopping Club und bekomme auf alle Einkäufe Rabatt.
Wibke wollte dann doch noch einmal in den Nike Shop, das war ein Fehler. Denn jetzt bin ich stolzer Besitzer eines Paares Nike free in Rot. Was schlicht und ergreifend daran lag, dass nur rote Schuhe in meiner Schuhgröße verfügbar waren.


 


 Dann aber wirklich ab nach Hause und auf dem Weg noch schnell einen köstlichen frisch gepressten Zuckerrohrsaft genoßen. Wird direkt am Strassenrand verkauft und produziert. Eines der wenigen Dinge in die Inder keinen Zucker tun, sondern einen wenig Limette und/oder Ingwer. Super erfrischend.

So jetzt noch schnell zum Abkühlen in den Pool,
Hermann

Zuckerrohrsaft
Strassenverkauf

Tag 29 - Team Outing VGP Beach Ressort

Heute habe ich kurz überlegt, ob ich überhaupt mit gehen soll zum Team Outing der SAP Kollegen. Ein Team Outing ist so etwas wie eine team bildende Massnahme und findet bei Tech-M alle sechs Monate statt. Die komplette Abteilung geht für einen Tag raus und feiert zusammen. Alle Kosten trägt der Arbeitgeber.
The Entrance
Nach kurzem Zögern habe ich mich doch dazu entschloßen meine beiden Kollegen Rene und Wibke zu begleiten und ich kann nur sagen, gut dass ich es getan habe.
unter schattigen Bäumen fand die Feier statt
Richtig schön typisch deutsche Pünktlichkeit waren wir natürlich um 10:55 Uhr da, schließlich sollte die Party ja um 11:00 Uhr anfangen. Da waren von den knapp 100 indischen Kollegen vielleicht zwanzig da. Wir bekommen einen "Welcome Drink" ein gemischter Fruchtsaft.
Dann sind wir direkt zum Strand gelaufen und haben uns dort ein wenig umgesehen. Strand, Wind und beruhigende Wellen, da hätte ich direkt schlafen können.
Die Drei vom Strand

Zurück zu den Kollegen ein vorsichtiges Kennenlernen und dann ging es auf einmal los. Es war gerade 11:35 Uhr und ich bekam meinen ersten indischen Whisky in die Hand gedrückt. Damit war nun wirklich nicht zu rechnen. Mit Mühe konnte ich die Kollegen davon abbringen mir gleich die halbe Flasche einzuschütten, Rene und Wibke ging es da ähnlich. Dann kam direkt das Bier auf den
direkt am Strand
Tisch, da wir uns weigertern weiter Whisky zu trinken. Aber auch hier wieder die Überraschung, es gab Kingfisher Strong mit eleganten 8% Alkoholgehalt. So mussten wir uns immer wieder mehr oder weniger heimlich davon schleichen und unsere Becher mit Wasser füllen. Die ersten Totalausfälle gab es dann auch erwartungsgemäß sehr früh ab 13:00 Uhr. Aber obwohl auch die oberen Bosse dabei waren, alles kein Problem. Den Kollegen wurde liebevoll geholfen, sie wurden auf einen Stuhl, in eine Ecke, oder Vergleichbares verfrachtet und haben in Ruhe ihren Rausch ausgeschlafen.
First Contact

Zum Bier/Whisky/Wasser gab es die ersten Snacks, mit Chilli geröstete Erdnüssen, frittierter Blumenkohl und kleine scharfe Hähnchenstücke. Die Nüsse waren der Hammer und ich habe leidlich zugeschlagen. Kaum waren die "Häppchen" abgetragen wurde zum Lunch gebeten und wir haben ein reichhaltiges indisches Buffet genießen dürfen. Da war alles dabei, von Suppe über Salat (Ananas mit Paprika und Käse, super lecker) zu Fisch, Hühnchen, Ziege und allerlei leckeren vegetarischen Varianten. Was für eine Schlemmerei, yam yam yam.
Danach ein kurzer Spaziergang und es ging über zum gemütlichen Teil, einige Kollegen gingen an den Strand und spielten Cricket, der Rest wieder auf den schattigen Platz und der DJ fing an aufzulegen. Nach zehn Minuten ging hier aber mal richtig die Post ab. Mein lieber HerrGesangsVerein da haben alle Kollegen, ob jung oder alt, ob Trainee oder Manager, mal so richtig Gas gegeben. Wer wollte hat in Ruhe getanzt, wer mit wilden Zuckungen durch die Menge lief oder mit akrobatischen Bewegungen Platz benötiget, dem wurde gleichermaßen sein Recht gegeben. Es dauerte nicht lange und wir wurden mit aufgefordert zu tanzen. Da haben wir dann drei Stunden durch getanzt und ich war schließlich nass geschwitzt und super glücklich und zufrieden. Das war einfach fantastisch, wie die Inder einen mitgerissen haben, welch ein Erlebnis.
Danach wollten die jungen Inder unbedingt mit uns Fussball spielen und ich hatte erst leichte Bedenken, aber was soll es. Und es kam ausnahmsweise nicht wie es kommen musste und ich liege heute nicht im Krankenhaus, sondern wir hatten viel Spaß bei einer wilden Bolzerei. Nur mit Fussball hatte das Ganze gar nichts zu tun. Am Ende lagen sich alle feiernd in den Armen und wir haben bei Wasser/Bier/Tee/Kaffee und frittierten Zwiebeln den Abend ausklingen lassen.
Zwiebelen sind hier auch so eine Leidenschaft, sie sind in jedem Gericht und werden auch zu jedem Gericht roh als "Salat" verspeist. Als ich mit einer Erkältung ins Büro kam, haben mir die Kollegen gleich gesagt ich muss mehr rohe Zwiebeln essen, damit die Erkältung verschwindet.
Wie auch immer der Tag war fantastisch und wir Drei frühzeitig völlig fertig. Da ging es dann früher als gewöhnlich duschen und ins Bett.

Cu soon,
Hermann

Tag 25 - Tag 28

Jetzt wird es so langsam ruhiger im Blog.
Der Alltag kehrt ein, nicht weniger interessant, aber nicht besonders spannend für den Blog. Immer noch bin ich im Genießer Modus und identifiziere Dinge, welche mir definitiv in Deutschland fehlen werden.
Seit zwei Wochen esse ich kein Fleisch mehr und habe es nicht einmal richtig bemerkt. Vermisse auch nichts und wie sagt der Tim immer so schön "genau das ist der Punkt". Die Vielfalt der vegetarischen Küche von scharf bis mild ist so variantenreich, dass ich schlicht und ergreifend kein Fleisch vermisse. Eine schöne Pasta, daran denke ich öfters mal.
Die Arbeit ist alleine wegen der Arbeitszeiten von 10/11-20/21 Uhr schon ein Unterschied, ich arbeite mehr und habe mehr Ruhe beim Arbeiten. Das mehr Arbeiten hängt sicherlich auch mit den fehlenden abendlichen Aktivitäten zusammen, hier ist es einfach nicht üblich abends rauszugehen. Und für einen Europäer dann noch schwerer, eine Kneipenszene wie bei uns gibt es nicht. Daher beschränkt sich unser Abendprogramm auf Essen, Fernsehen, Surfen und ein wenig quatschen. Dann ist es aber auch sehr schnell Mitternacht und man geht Schlafen.
Aufregende Erlebnisse? Auch eher weniger, aber jeder Morgen ins Büro ist aufregend!
Zusätzlich entdecke ich immer mehr kleine interessante Shops und es gibt immer wieder Begegnungen in den mir bewusst wird das ich hier der Fremde bin. Bestes Beispiel, ich begrüße jemanden mit einem fröhlichen "good morning" und werde immer mit einem hochachtungsvollen "good morning, Sir" zurückgegrüßt. Jeder hellhäutige Europäer ist immer der Sir und muss per order de mufti wichtig sein.
Auf der anderen Seite grüßen mich mit einem breiten Grinsen alle möglichen Leute auf dem Campus, auch gerne mehrmals täglich. Es ist einfach etwas besonderes den Kollegen sagen zu können, "siehst Du den Weissen da, den kenne ich und er kennt mich". Immer wieder begeistert mich aber die grundsätzliche Freundlichkeit der Leute. So wurde mir mit großer Freude beim wöchentlichen Obstkauf eine Speisekarte eines neu eröffneten Restaurants (hier heissen die alle Hotel, haben aber gar keine Zimmer) in die Hand gedrückt und der Besitzer winkte mir fröhlich zu.

Bis bald,
Hermann